Prolog
Wir werden älter. Ich meine nicht das Alter, das man mit Lebensjahren misst sondern das geistige Alter, oft fällt in diesem Zusammenhang das Wort ‘Reife’, ich halte es aber für vermessen, mich mit meinen 20 Jahren als reif zu bezeichnen, genügend Grund zum Zweifel liefern ja die letzten 49 Artikel.
Mit dem Alter fordern uns immer mehr Herausforderungen, hier stelle ich mich der Herausforderung des Verfassens eines ernsten Artikels. Es gibt kein Missverständnis, keine dumme Gegebenheit, keinen schwachsinnigen Fernsehbeitrag auf dem das Folgende beruht, es ist eine Meditation über einen Aspekt des Lebens, der zu Beginn des dritten Lebensjahrzehnts den Gipfel seiner Relevanz erreicht, es geht um das Finden der richtigen Partnerin.
Wir befinden uns in einem kulturellen Wandel. Deutschland ist ein Abwanderungsland. Es gibt immer weniger Menschen, dafür aber immer mehr Haushalte, da es auch immer mehr Singles gibt. Nicht einmal die Hälfte der Volljährigen befindet sich in Deutschland in einer ernsthaften Beziehung. Ich war mir ein mal mehr nicht zu schade eine Studie zum Thema durchzuführen. Vorerst liegt dabei mein Hauptaugenmerk auf den Clubs Sachsen-Anhalts. Dort wurden in den letzten Wochen eine repräsentative Menge junger Frauen ohne männliche Begleitung angesprochen und auf ein Getränk eingeladen.
Kein Mensch glaubt ernsthaft, dass junge Leute in Clubs gehen, weil die Luft da drin so gut ist oder weil die Musik so schön ist. Jeder Clubgänger möchte neue Leute kennen lernen. Es sei vernachlässigt, ob Freundschaft, Liebe oder ein one night stand, jeder sucht Kontakt. Trotzdem sind die Ergebnisse ernüchternd. Das erstaunliche daran ist, dass die Ernüchterung von keiner Variablen beeinflusst wird, das heißt sie ist unabhängig vom Phänotyp des Mannes, unabhängig vom ‘Anmach-Spruch’ und jedem anderen denkbaren Einfluss.
Das liegt im Wesentlichen an 3 typischen Bestandteilen unserer Club-Kultur.
1. Die Cliquen 1.0
Wir in einen Club geht glüht vor. Es treffen sich die Physiker, die Mediziner, die Maschinenbauer, eine Geburtstsagsgesellschaft, WGs oder andere sozialgefüge, Hauptsache man kennt sich. Kontakt zu ‘Neuen’ gibt es nur, wenn jemand die minderjährige Cousine mitbringt, die wie ein rohes Ei behandelt werden muss. Irgendwann haben alle genug Mut getankt und man pilgert in den CLub. Fortsetzung folgt…
2. Die Musik
Es ist natürlich schwer die Musik früherer Generationen mit der heutigen zu vergleichen. Deswegen beziehe ich mich hier lediglich auf den dazu passenden Tanzstil. Früher tanzte man zu Folk-Rhythmen, Discofox war angesagt, Rock’n'Roll und, zumindest in der DDR, Nena. Die gemeinsame Eigenschaft dieser Tanzstile ist die Tatsache, dass man sie nicht alleine tanzt. Man musste sich im Club nach einer Partnerin umsehen und sie zum Tanz auffordern, man lernte sich kennen, da man gezwungen war miteinander zu kommunizieren. Es entstand eine ganz andere, freundlichere, offenere Wahrnehmung der Umwelt.
Kommunikation ist in unseren Clubs sowieso nicht möglich. Die Musik ist viel zu laut, die Musik besteht aus brummenden Bass und schrillen Rhytmen, zu denen man keinen Paartanz tanzen kann.
Die Cliquen 2.0
Im Club angekommen folgt man dem immer selben Schema: Einchecken, Jacke zur Garderobe bringen, auf den Rest der Gruppe warten. Dann wird zusammen auf die Tanzfläche gegangen, da man sowieso nur Freestyle tanzt bildet man einen Kreis und tanzt vor sich hin, mit dem Rücken zum Rest der Party.
Wer als Mann jetzt einen von den Mädchen im Kreis hübsch findet und sich mit den besten Absichten ein Herz fasst, auf sie zugeht und sie anspricht hat schlechte Karten. Er hat eigentlich gar keine Karten, er hat Würfel. Selbst wenn das Mädchen nicht abgeneigt ist findet sich in der Gruppe immer mindestens Eine, die mit sowas schon mal ganz schlechte Erfahrungen gemacht hat, die sich sicher ist, dass man in der Disco die große Liebe nicht finden kann, die in ihren 18 Lebensjahren schon alle Typen Männer kennen gelernt und keinen für passabel befunden hat. Die Kommunikation zwischen den Frauen passiert geräuschlos und schnell, nach einer Sekunde peinlichem Schweigen haben alle einen Gesichtsausdruck als hätte man gefragt ob sie einem eine Niere spenden oder einen Neger in Senfsoße servieren. Er zieht geknickt von dannen, sie tanzt weiter und freut sich dass er es bei ihr nicht geschafft hat.
3. Die Spasten, Prolls, Versager, Selbstdarsteller in Ed-Hardy-Klamotten
Brauchen eigentlich keinen Kommentar. Es bestehen Parallelen zur Politik: In Deutschland gibt es etwa 80 Millionen Menschen, davon sind bestenfalls 250.000 rechts gesinnt, die NPD hat nicht einmal 2000 Mitglieder. Trotzdem erregt diese absolute Minderheit genug Aufmerksamkeit, verursacht genug Terror und und Gewalt um auf alle anderen knapp 80 Millionen ein schlechtes Licht zu werfen. ‘Sachsen ist rechts’ titelte eine Amerikanische Zeitung, freilich in einem kleinen Randartikel, als die NPD in den Landtag einzog. Aber die Quintessenz ist die Verallgemeinerung. ‘Sachsen’ ist rechts, weil 182.000 Leute ihr Kreuz bei der NPD gemacht haben, das sind nicht ein mal 4,4 % der Einwohner.
Summa Summarum: Ein Ed-Hardy-Spast kann bis zu 1000 normale Männer in ein schlechtes Licht rücken.
Im Endeffekt werden wir also immer verschränkter, gegenüber Anderen und gegenüber Unbekanntem. Es gibt sogar schon Mode-Krankheiten der Symptom chronisches Jammern ist. Man will einen Partner, lässt aber jeden Versuch abblitzen um dann sagen zu können, dass man Versager magisch anzieht, um einen Grund zu haben etliche Stunden vor dem Laptop totzuschlagen und den Schwarm von vor 8 Jahren bei Facebook zu suchen oder online Leute ‘ansprechen’ -oder ganz neu: Nur noch bewerten! ‘Bin ich dir sympathisch?’ festgemacht an einem kleinen Bild und dem Wohnort. Denn abends vor dem Laptop ist man alleine, die Meinung wird nicht von der Cliquen-Schlampe diktiert und man bereut den letzten Abend in der Bar, an dem man wieder viel zu viel getrunken und viel zu wenig geflirtet hat.
Epilog
Bevor ihr aufhört zu lesen, weil es hier nichts zu lachen gibt, möchte ich kurz den wichtigsten Fakt aus dem Epilog zu Anfang stellen, obwohl er ein ideales Schlusswort wäre:
Wenn ihr den Mund auf bekommt gehört ihr schon zum obersten Drittel!
78% der Clubgänger, die jemand kennen lernen wollten gehen genauso einsam wie sie gekommen sind, weil sie nicht den Mut aufgebracht haben mit jemandem fremden zu reden.
Was mich direkt zum nächsten Punkt bringt: Seit wann muss ich eigentlich allen Mut sammeln um einem Mädchen ein Kompliment zu machen? Mal im ernst: Was soll passieren? Wer schon mal von einem Mädchen verprügelt wurde weil er sagte : ‘Hallo, dein Lachen gefällt mir, du siehst gut aus.’ der schreibt mir bitte.
Partnervermittlungen haben Hochkonjunktur. Es gibt Menschen, die dreistellige Beträge dafür ausgeben um effektiv und schnell einen Partner auf den unpersönlichsten Weg der Welt kennen zu lernen.
Das ist kein Trend sondern ein krasser Wink mit dem Zaunspfahl!
Ich bitte euch recht herzlich, wirkt diesem Trend entgegen!
gez. Euer Dr. Tom Förster,
Ehrendoktor der Uni Bayreuth (Die haben ja eh keinen Überblick mehr wer dort Doktor ist und wer nicht;))